Dr. Hans Asperger beschrieb 1944 eine Gruppe von Kindern, die intellektuell nicht beeinträchtigt waren, ein gutes Sprachvermögen hatten, aber deren gesamtes soziales Verhalten merkwürdig war. Insbesondere fiel ihm folgendes auf: Störungen im Blickkontakt, Körpersprache, Gestik und Sprachgebrauch im normalen alltäglichen Umgang mit anderen, keine natürliche, altersgemäße Kommunikation. Körperhaltung und Gesten nicht im Bezug zur Situation, motorische Ungeschicktheit, die künstlich oder seltsam wirkt, Tonfall und Wortwahl auffällig gut entwickelte sprachliche Kompetenz aber monotone Sprachmelodie oder eine "erwachsene" Ausdrucksweise, Schwierigkeiten bei spontaner verbaler Kommunikation, Diskrepanz zwischen Intelligenz und Gefühlsleben Er nannte sie "autistische Psychopathen", heute sprechen wir vom Asperger-Syndrom.*
Kann man sich in einen solchen „Aspie“ verlieben? Und wenn ja, wie kann die Beziehung funktionieren?
Beth Buchwald (Rose Byrne) zieht nach einer gescheiterten Beziehung in eine neue Wohnung. Dort lernt sie ihre Nachbarn Adam (Hugh Dancy) kennen. Dieser wohnt seit dem Tod seines Vaters allein und verhält sich irgendwie merkwürdig – scheu aber süß. Die aufgeschlossene Rose geht auf Adam zu und er öffnet sich ihr immer mehr. Mit ungewöhnlichem, fast kindlichem Werben, erobert er bald ihr Herz. Beth merkt, dass Adam etwas ganz Besonderes ist. Und das ist er tatsächlich, denn Adam hat das Asperger Syndrom. Diese leichte Form des Autismus zeigt sich vor allem in der Schwierigkeit der Betroffenen in sozialen Situationen zu bestehen. Sie können zwischenmenschliche Interaktionen schlecht einschätzen, da sie nicht in der Lage sind, die Emotionen des Gegenübers zu erkennen bzw. sich in diese hineinzudenken. „Aspies“ sind allerdings extrem intelligent und sogar Albert Einstein und Wolfgang Amadeus Mozart sollen das Asperger Syndrom gehabt haben.
Auch Adam ist sehr intelligent – kann stundenlang über den Weltraum und das Theater dozieren – aber er ist emotional schwer zugänglich und Beth, die nebenberuflich Vorschul-Lehrerin ist, bemüht sich so gut es geht, ihn auf die Einflüsse der Außenwelt vorzubereiten. Erst als Beth familiäre Probleme bekommt und ihrerseits emotionale Unterstützung braucht, kommt die Verbindung ins Wanken.
Das Asperger Syndrom ist in den letzten Jahren mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt worden. Bekannte Musiker wie Craig Nicholls von The Vines und die Neuseeländerin Ladyhawke haben unter anderen dafür gesorgt, diese autistische Störung bekannt zu machen und aufzuklären. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis das Thema auch filmisch bearbeitet wurde. Adam ist dabei keine Krankenstudie, sondern ein liebevoller Blick auf das Leben eines Betroffenen mit all seinen Schwierigkeiten aber auch mit den schönen Momenten. Der Blick auf Adam ist dabei erfrischend unsentimental und nicht bemitleidend. Regisseur Max Mayer balanciert Humor und emotionale Momente perfekt aus. Letztendlich ist der Film eine Metapher auf alle Beziehungen. Max Mayer, der zudem auch der Autor des Drehbuchs ist, erklärt das so: „Im Endeffekt sind für uns alle Beziehungen schwierig und voller Missverständnisse, denn so sind wir einfach gepolt. Aber wir sind wirklich nicht dafür verantwortlich. Meines Erachtens wird durch eine Geschichte wie diese der Gedanke deutlich, dass wir im Kern unseres Wesens eine Unschuld in uns tragen, die es uns ermöglicht, einander emotional zu berühren.“
Adam ist ein sehr schöner Liebesfilm, der durch sympatische Charaktere, eine unkonventionelle Bearbeitung des Beziehungs-Themas, sowie durch einen sehr gut agierenden Hugh Dancy überzeugt und eine ganz eigene Art von Romantik versprüht.
* Quelle: TOKOL e.V. ("The Other Kind Of Life"): Asperger Medizinische Definition

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