boysetsfire = boysetsfire. Fünf von Fünf Punkten. Damit könnte diese Review schon zu Ende sein, was Nicht-Fans allerdings wenig überzeugen würde und den Eindruck erwecken könnte, bsf hätten sich nicht weiterentwickelt und die neue Platte klänge wie die Alten. The Misery Index ist zwar ein schöner musikalischer Querschnitt durch alle vorherigen Alben und deren etablierten Stärken, jedoch hält die Platte darüber hinaus auch ein paar Überraschungen bereit.
Einen ersten Eindruck von der Qualität der neuen Songs erhält man, wenn man sich auf der offiziellen Homepage die beiden Webexclusives Phonecall 4a.m. und The Plague anhört. Beides sind großartige Songs und auf ihre jeweilige Art auch sehr boysetsfirelike, haben es aber trotzdem nicht auf die neue Platte geschafft. Klar, dass bei dreijähriger (!) Arbeit an einem Album nicht jeder Song in die Endauswahl kommen kann, aber wenn das der „Ausschuss“ sein soll…
Gleich mit dem ersten Track stellen bsf ihren Sinn für großartige Melodien gepaart mit eindringlichen, engagierten Texten unter Beweis. Allerdings lassen sie sich nicht von vorneherein auf die herkömmliche Emo-Schiene festlegen und geben stattdessen eine kräftige Prise Screamo hinzu. Die folgenden Songs präsentieren das typische emotionale Auf und Ab bzw. Laut und Leise, was aber nicht nur routiniert sondern auch äußerst frisch klingt und deshalb nicht einfach als „schon 1000mal dagewesen“ abgetan werden kann. Viele kleine technische Spielereien halten die Songs abwechslungsreich und lassen auch bei mehrfachem Wiederhören immer wieder neue Nuancen entdecken. Ein Übriges leisten die einfallsreichen Skits und Intros, die die Songs inhaltlich und musikalisch abrunden. Auch stilistisch wird gegen Ende der Platte reichlich experimentiert; so ist bei Déjà Coup ein starker Ska-Einschlag festzustellen, während Nostalgic for Guillotines und A Far Cry Anleihen bei metal-lastigeren Kollegen getätigt haben und gitarrenmäßig ein wenig an A Case of Grenada und gesanglich an die Deftones erinnern.
Alles in allem eine großartige Platte für boysetsfire-Fans und solche, die es werden (ob sie) wollen (oder nicht). Auch dieses Mal lautet das bsf-Motto „Neue Platte, neues Label“ und so erscheint The Misery Index: Notes From the Plague Years am 24. Februar auf Burning Heart.
Tracklist
1 Walk Astray ***
2 Requiem
3 Final Communiqué ***
4 The Misery Index
5 (10) And Counting
6 Falling Out Theme
7 Empire
8 So Long ... And Thanks For The Crutches
9 With Cold Eyes
10 Deja Coup
11 Social register Fanclub ***
12 Nostalgic For Guillotines
13 A Far Cry
(*** Anspieltipps)

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