FoMP.de - punkrock, hardcore, rock'n'roll
 FoMP Suche
 

 Navigation

 Platten


Neil on Impression - The Perfect Tango


06.02.06
Neil on Impression - The Perfect Tango
Magdalena wurde an die Existenz der Sonne immer nur noch erinnert, wenn die Wolkendecke ein Loch hatte und sie sich fragte, warum sie plötzlich blinzeln musste. Sonst hatte der Himmel immer die Farbe des Stoffes, mit dem Kofferräume ausgelegt sind. Ihr einziger Trost durch diesen Winter war "the perfect tango", dessen 4 Stücke sie sich auf den Tag aufteilte. Wenn sie morgens ihre Beine auf den Boden bekommen hatte, war ihr erster Gang der zum Wasserkocher, so dass sie nachdem sie von der Toilette kam, heißes Wasser in der Küche vorfand und das Rauschen und Blubbern des Wassers sich nicht mit "stars paint the forest gold" vermischte. Denn mit dem Drücken des Play-Knopfes am CD-Spieler begannen die nach Magdalenas Empfinden besten 9 Minuten und 8 Sekunden ihres Vormittags, in denen sie nicht nur 2 Toaste, sondern auch der ein oder andere missmutig-geknickte Blick zum Fenster hinaus unterbrachte und die sie auch von nichts gestört wissen wollte. Sie fühlte sich zwar nie wirklich wach, aber wenn sie den anwachsenden Crescendos von Neil on Impression zuhörte war sie zumindest sicher, dass sie etwas fühlte und noch nicht tot war.
Danach ließ sie den CD-Player in ihre Jackentasche gleiten und die Tür ins Schloss fallen. Der Weg zur Arbeit nervte sie, es war das alltägliche Intro zu Stunden der Langeweile, das durch seine ständige Wiederholung auch nicht erträglicher wurde. Während ihre Kollegen in die Kantine gingen, schloss Magdalena die Tür ihres Büros zweimal ab. "like hippos running to the moon" wühlte sie dann genug auf, um bis zum Feierabend nicht einzuschlafen und während sie das Sandwich vom Kiosk gegenüber auspackte, musste sie immer daran denken, wie Alessio von der italienischen Band Raein ihr die CD in die Hand gedrückt hatte, nachdem sie beide am Sandwich-Stand auf einem Festival gewartet und sich unterhalten hatte. "this is from my other band; we play very quiet, instrumental stuff, not so loud".
"the silent glance of andromeda" war der Soundtrack des Feierabends und es schien Magdalena so, als würde immer gerade zu der mitreißenden Klavierpassage in der Mitte des Stückes der Himmel noch einmal aufleuchten, bevor er ganz dunkel wurde und sie das Licht in ihrer Wohnung anmachen musste. Die Abende waren meist monoton, im Fernsehen lief der übliche Brei und wenn sie Freunde anrufen wollte, waren diese meist nicht zu Hause. Waren sie es doch, bestanden die Telefonate oft daraus, dass Magdalena sich die Probleme ihrer Freunde anhörte und ab und zu tat, als würde sie sie verstehen. Nach solchen Telefonaten war Magdalena eigentlich noch schlechter drauf als vorher und sie nahm sich jedes Mal aufs Neue vor, nächstes Mal doch nicht anzurufen; warum zur Hölle sollte auch sie immer anrufen; selbst die Telefonseelsorge ruft nicht an, sondern wird angerufen. Wenn sie dann "the perfect tango", den Titelsong des Neil On Impression-Album, hörte, beruhigte sie das zwar nicht unbedingt, aber die treibenden Passagen des Stückes halfen ihr ihre Wut zu kanalisieren und abgehackte Sätze in ihr Tagebuch zu schreiben, dass sie danach eigentlich schon hunderte Male in den Mülleimer werfen wollte und dann doch wieder an seinen angestammten Platz in’s Regal stellte.
Später, wenn sie im Bett lag, dachte sie darüber nach, warum der Tag so beschissen gewesen war und sie kam entweder zu dem Schluss, Gott müsse sie persönlich sehr hassen oder schlief ein, bevor sie einen Grund gefunden hatte.

P.S. "The perfect tango" erschien als Split-Release von Release The Bats und Grab The Stars. Bei der LP-Version mischt auch das Label Life In A Box mit. CD und LP haben beide ein tolles Artwork vom ebenso netten Angelo Milano (La Quiete).
(johannes)


Links zum Artikel

Neil on Impression
Grab The Stars




 Kommentar schreiben


Dein Name*:
Titel des Beitrages:
Text*:
Sicherheitscode*:
zurück top
Freedom Of Mind _ Punkrock EZine _ 2001-2010
Erstellung der Seite: 0.05 Sekunden