Nachdem die Enttäuschung aufgrund hoffnungslos überzogener Erwartungen verflogen war, konnte ich mich mit gebrochenem Herzen (dafür aber mit klarem Verstand) dem Album erneut stellen. Mehr Guns n' Roses als Axls GN'R-Torso ist anscheinend nicht mehr drin. Slashs Soloscheibe lässt sich auch nicht mit Slash‘s Snakepit oder Velvet Revolver vergleichen. - Gut, vielleicht mit dem Härtegrad von Velvet Revolver - denn das Slashs Album grenzt wie VR sehr oft an der Grenze zu AOR. Slashs Vibe als ewiger Sympathieträger schwingt aber stets mit, so dass selbst ruhige und achso erwachsen klingende Momente immer noch als wertvoll erachtet werden können.
Zwei intersubjektiv nachvollziehbare Erkenntnisse können aus dem Album gezogen werden. So stehen sich auf dem Album der Songwriter-Slash und der Gitarrengott-Slash gegenüber. Dabei schiebt der Songwriter den Gitarrengott ganz schön stark unters Sofa, denn der Gitarrenheld blitzt immer nur in festabgesteckten Abschnitten auf. Diese Momente sind göttlich. Wenn andere Musiker Slash als Gast für Album einladen, kann man davon ausgehen, dass Slashs Leadgitarre fast die Rolle eines Sängers erhält. So beginnt Slashs Solo beim ersten Takt von Vengeance is mine (zweiter Song von Alice Coopers aktuellem Albums) und endet mit dem letzten. Dass der Songwriter-Slash aber im Vordergrund steht, ist letztendlich für die Qualität von Vorteil. Denn welches Virtuosen-Album war jemals gut? (Wehe, einer kommt mir jetzt mit Yngwie Malmsteen!)
Maßgeblicher und viel entscheidender als alles andere für die Bewertung des Albums ist der Umstand der unterschiedlichen Sänger. Ein Sänger fällt stärker als ein missratener Gitarrensound ins Gewicht, wenn man ihn nicht mag. Außerdem sorgen unterschiedliche Sänger für eine größere Heterogenität eines Albums, die nicht mit „abwechslungsreich“ verwechselt werden sollte. Vergleicht man Slashs Soloscheibe mit der von Iommi und Drave Grohls Projekt Probot so liegt Slash irgendwie dazwischen. Iommi hat den unterschiedlichen Sängern auferlegt, sich auf seine Lieder einzulassen. Grohl dagegen hat die Lieder seinen Helden auf den Leib geschrieben. Bei Slash verhält es sich so, dass die Songs absolut zu den Sängern passen, ohne allzu sehr nach deren Stammbands zu klingen. Das heißt: Slashs Soloalbum hat seine eigene Identität, was aber Kid Rock dennoch nicht entschuldigt. Tommy Lee hätte ihm so den Arsch versohlen sollen, dass er auf diesem Album nicht singen hätte können. Die Lieder mit Lemmy und Iggy Pop sind wie zu erwarten genial und das Kid-Rock-Vietnam wird durch eine Überraschungen wett gemacht: der Song mit Fergie von den Black Eyed Peas klingt am ehesten von allen Liedern nach Guns n' Roses. Hurra!
Tracklist:
01. Ghost (Ian Astbury)
02. Crucify The Dead (Ozzy Osbourne)
03. Beautiful Dangerous (Fergie)
04. Promise (Chris Cornell)
05. By The Sword (Andrew Stockdale)
06. Gotten (Adam Levine)
07. Doctor Alibi (Lemmy Kilmister)
08. Watch This (Dave Grohl/Duff McKagan)
09. I Hold On (Kid Rock)
10. Nothing To Say (M. Shadows)
11. Starlight (Myles Kennedy)
12. Saint Is A Sinner Too (Rocco De Luca)
13. We're All Gonna Die (Iggy Pop)

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