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Tony Sly

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Taking Dawn


08.04.10
Taking Dawn
Tief in den tiefsten Katakomben des legendären Hamburger Clubs "Große Freiheit" treffe ich auf den Bassisten der jungen Glam-Metal-Band "Taking Dawn". Entgegen meinen Erwartungen (voluminöse Haircrime-Frisur und pinke Spandexkleidung) sitzt mir ein typischer Metalhead mit schwarzer Hose und schwarzem Kapuzenpullie gegenüber. Anstatt Cocain und Whiskey konsumiert der Junge eine Dose Sprite.

Andrew, ihr wurdet als Glam-Metal-Band angekündigt. Da kommen einem natürlich sofort Assoziationen mit den klassischen Hairmetal-Bands aus den 80ern. Ich finde, eure CD klingt aber eher nach einer gegenwärtigen Metalband als nach 80s Metal.

Ja, es nicht wirklich „glam“

Wie würdest du euren Stil beschreiben?

Ich denke, es ist ein guter Mix. Wir bringen die modernen Elemente wie schreddernde kantige Gitarrenparts ein und vermischen diese mit eingängigen Hooks. Wir ziehen uns aber nicht an, wie diese Glam-Metalbands mit den hochtoupierten Haaren und lila Shirts. Die Leuten sagen, wir wären Glam, wir sind nicht glam. Vom Typ her sehen wir uns eher wie die Jungs von Guns ‘N Roses. Im Stil eher in der Gegenwart. Aber wenn die Leute sagen, wir wären Glam, was wollen wir dagegen tun.


80s Metal ist zur Zeit wieder in.

Ist mir aufgefallen

Was sind nach deiner Meinung die Gründe dafür? Wie denkst du darüber?

Oh, ich finde es cool. Ist mir aber nicht aufgefallen, bis wir hier (Europa) angekommen sind. Als wir in den Tankstellen uns die Magazine angeschaut haben, sind uns auf den Covern die vielen Bands im 80s Style aufgefallen. Die sind ganz schön glam. Macht uns ein bisschen wütend, weil wir diesen Haaraufbluster-Quatsch nicht mögen, wir mögen die Musik. Ok., wenn die Musik wieder populär wird, können wir letztendlich nur profitieren.

Also steht für euch die Musik im Vordergrund und weniger die Attitüde?

Eher - weniger der Style. Uns geht es um Rock, um eine gute Zeit.

Heißt das, dass es in Amerika anders aussieht?

Ja

In Schweden gibt es die so genannte New Wave of Swedish Sleaze Scene mit vielen coolen Bands. Du kennst vielleicht Hardcore Superstar?

Ja, von denen habe ich gehört. Manche haben uns mit denen verglichen.

Ach ja? Das sehe ich anders. Bei euch sticht der amerikanische Sound durch. Würdest du das auch so sehen?

Wir haben die CD in Virginia aufgenommen. Daher ist es eine amerikanische Produktion. (lacht). Eine dicke Production!

Ihr Jungs kommt aus Las Vegas. Bis du dort auch aufgewachsen?

Yes, Las Vegas. Nevada. Mein ganzes Leben dort verbracht.

Ist ein normales Leben mit normalen Jobs in Las Vegas überhaupt möglich?
Ja, die Leute leben ganz normal. Haben normale Jobs. Man kann im Casino arbeiten. Man kann ein Dealer (Händler) sein. Ist eigentlich ganz normal wie jede andere Stadt auch mit der Ausnahme, dass, wenn man gelangweilt ist, ins Casino gehen und seinen ganzen Lohn verprassen kann.

Viele Städte haben einen gewissen Rock Sound hervor gebracht. Man denke da an die 70er und den Detroit Rock Sound oder an die frühen 90er und Seattle. Man hat euch zitiert, dass ihr die erste Metalband Las Vegas sein wollt.

Die erste große Metalband. Die einzigen Bands aus Las Vegas, die es geschafft haben, sind die Killers, Panic at the Disco. Die sind nicht wirklich „metal“ wie wir. Ein bisschen Schreien und dann auf dem Piano klimpern „Lalala“. Wir sind die erste Metalband aus Las Vegas, die die Welt beherrschen will. (Lacht)

Gibt es zwischen eurem Sound und Las Vegas irgendwelche Koinzidenzen?

Yeah, der Song take me away hat viel mit Las Vegas zu tun. Es geht um eine Hure.

Prostitution ist in den USA generell verboten, oder? Gilt das auch für Las Vegas?

Ja, eigentlich schon. Aber ungefähr 15 Meilen außerhalb von Las Vegas gibt es einen Ort, es einige Bordelle gibt, dort ist es erlaubt. (lacht)

Ein Freund von mir erzählte mir, dass in Las Vegas überall Flyer mit sehr expliziten Bildern zu sehen seien.

Ja, Mädchen teilen diese Flyer aus und laden dich auf ihre Zimmer ein und zu, was auch immer geschehen mag.

Du siehst noch ziemlich Jung aus, wie alt bist du?

Bin im Februar 21 geworden.

Oh, dann bist du in Amerika ab jetzt ein Erwachsener?

Endlich! Andererseits sind wir den ganzen März schon in Europa. Ich konnte das in Amerika ganze zwei Tage nutzen. Hier bin ich über 18 und kann eh trinken, was ich will.

Hier fängt man sogar mit 13 an zu trinken. Es ist zwar gegen das Gesetz, aber im privaten Kreis durchaus üblich.

13? Wow!

Der Grund, warum ich nach dem Alter gefragt habe, ist der: Was sind die Pläne der Band für die Zukunft?

Wir fangen ja gerade erst an. Die CD haben wir schon vor fast zwei Jahren aufgenommen, waren das ganze letzte Jahr auf Tour durch die USA. Nun sind wir in Europa unterwegs. Wir wollten unbedingt, dass die CD rauskommt. In den USA ist sie erst am 26. Januar rausgekommen. In Europa kommt sie im März und April raus. Für uns fühlt es sich wie eine Ewigkeit an, aber die Welt kennt uns eben noch nicht. Für die nahe Zukunft wollen wir daran arbeiten, indem wir weitertouren. Im Sommer werden wir für ein paar Festivals zurückkommen.

Oh cool. Kannst du ein paar bennen?

Well, ich glaube, das darf ich nicht. Aber es handelt sich um Festivals in Deutschland.

Du hast erwähnt, dass ihr die CD vor fast zwei Jahren aufgenommen habt, und dass sie jetzt erst rausgekommen ist. Was war die Strategie dahinter? Gab es eine?

Sie wurde zunächst zurückgehalten. Das Label wollte, dass wir uns erst einen Namen da draußen erspielen. Sie wollten nicht, dass wir untergehen. Wir wollen auch nicht untergehen. Daher war das auch in unserem Interesse. Dann sollte die CD im September, glaube ich, rauskommen. Im Januar kam sie letztendlich raus. Hat also strategische Gründe gehabt.

Es handelt sich bei Time to burn um euer erstes Album?

Ja, unser allererstes Album.

Ihr startet also direkt auf einem Major-Label, was mein persönlicher Traum wäre, aber gibt es denn auch Nachteile?

Soweit nicht. Man behandelt uns sehr gut. Man macht für uns all die Promotion, sorgt für Interviews, schickt uns auf Tour durch die Staaten, Kanada und Europa. Vielleicht geht es noch nach Japan, was klasse wäre. Auf kleineren Labels würde das alles drei bis vier Jahre dauern, bis so etwas möglich ist. Bei uns hat sich das alles in einem Jahr zugetragen.

Gibt es da nicht einen immensen Erfolgsdruck?

Es ist schon ein gewisser Druck vorhanden, der uns aber nicht stört. Wir geben alles auf den Bühnen, stoßen auf tolle Resonanzen in den Staaten und Europa. Es fühlt sich gut an. In einem Jahr werden wir sehen, wo wir stehen.
(Nails Nathan)


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