Stell dir vor, es ist Sonntag und jeder benimmt sich, als wäre es Freitag!
Leicht verspätet erreiche ich die Große Freiheit, die zunächst ziemlich eingeschränkt wird. Die Location ist gnadenlos voll, so dass man um jedes Sichtfenster kämpfen muss. Auf der Bühne rocken sich die Jungs aus Las Vegas mit Namen Taking Dawn gerade den Arsch ab. Dass die Jungs trotz schlechten Sounds und tötlicher Rückkoppelungen vom Publikum abgefeiert werden, liegt mitunter daran, dass sie alles in die Performance-Schale werfen. So liegen sie bei Gitarrensoli auf den Knien und agieren wie Accept zu ihren besten Zeiten. Auf der Bühne kommt der Gesang wesentlich höher daher, was mitunter an der längeren Tour liegen kann (Stimmbänder sind schön elastisch) oder daran, dass die Lieder schon zwei Jahre alt sind und die Jungs sie weiterentwickelt haben.
Als Airbourne die Bühne betritt, ist es noch keine zehn Uhr, die Leute rasten aber aus, als wäre es kurz vor Mitternacht (31.12.1999). Wie ein Freund von mir gesagt hat, erweisen sich Airbourne als Rock'n Roll-Maschine. Ohne Gnade feuern sie ihre Riffs in die Zuschauer. Auch wenn man das Gefühl hat, dass sich spätestens ab der 30. Minute alles zu wiederholen scheint, ist das reichlich egal. Das Einzige, das stört, ist, dass die Australier ihr Set immer wieder versuchen, künstlich in die Länge zu ziehen. Man hat schließlich nur zwei Alben und eine Headliner-Show zu absolvieren. Ich für meinen Teil hätte es besser gefunden, wenn die Jungs einfach eine halbe Stunde weniger gezockt und sich dafür bei mir das Gefühl einfach nicht eingestellt hätte. Groß dafür war die Aktion des Gitarristen/Sänger, als er plötzlich von der Bühne verschwunden war. "Ey, wo is'n der Sänger?" - "Keine Ahnun..." Bevor man es aussprechen konnte, hüpft der kleine Mann mit seiner Funkstrecke einem direkt vor die Füßen, macht eine große Runde durch den Club, genehmigt sich ein Bier an der Theke und besucht die Leute auf der Empore. Große Verbrüderung, meine Brüder... Airbourne wirken agiler und kompakter als AC/DC, sind aber ebenso durchgeplant und perfekt aufeinander abgestimmt. Anyway, das war ein großer Abend im Namen von Rock'n Roll.

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